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Historische Orgeln von hoher Bedeutung

in Krummhörn und umzu

"Wind gehört zum Land an der Küste, zur Krummhörn, so sehr, dass man sich wundert, wenn er mal nicht weht. Und Orgelwind! Die Krummhörn ist Orgelland, seit Hunderten von Jahren, mit Orgeln, die bis ins Mittelalter zurückreichen. Deshalb - wo kann man besser 'Windgesänge erleben' als hier!"

(Freundeskreis des Krummhörner Orgelfrühlings e.V.)

Der Freundeskreis des Krummhörner Orgelfrühlings nimmt Sie als Leser mit auf eine Zeitreise durch die Orgellandschaft der Krummhörn. Aus einer anderen Perspektive erfahren Sie die Geschichten der Orgeln, die in der Krummhörn und in der Umgebung eine besondere historische Bedeutung haben.

Organist: Jan-Hendrik Holzkämper

Aufnahmen und Mastering: Otto Damaske

Texte: Dr. Karin Bockelmann


Orgel Rysum

"Ich bin die Rysumer Orgel und mich gibt es schon so lange wie ganz wenig andere Orgeln; ich gehöre deshalb mit zu den ältesten Kirchenorgeln auf der Welt, die man heute noch spielen und hören kann. Es heißt, dass ich das älteste in seinem Pfeifenbestand weitgehend erhaltene Instrument dieser Art in Nordeuropa sei. Um 1442 wird es gewesen sein, als aus dem Dort Rysum im Emsigerland – So wurde die Gegend hier damals genannt – der Auftrag an Meister Harmannus in Groningen ging, eine Orgel zu bauen: Die Leute wollten Musik hören wie in der Stadt! Manche der Händlerbauern waren oft weithin unterwegs, kamen so in Städte wie Groningen oder Köln oder sogar noch weiter und hatten da Orgelmusik gehört. Bezahlt wurde ich mit zehn, vette beeste´, so nannten die Marschbauern in ihrer damaligen Sprache die gut herausgefütterten Rinder, die sie nach Groningen verschifften. Die waren gutes Geld wert! Mit sieben Registern hat mich Meister Harmannus eingerichtet und die Leute waren stolz darauf, dass nun auch in ihrem Dorf eine Orgel in der Kirche stand. Wenn sie die Musik hören wollen, musste ein Organist aus der Stadt geholt werden, aus Emden oder vielleicht auch aus Groningen. Das passierte nicht jede Woche und es war immer etwas Besonderes, wenn ich erklingen durfte! Später haben viele Orgelbauer mich repariert, umgebaut, wieder verändert. Und dann kam ein Orgelbauer, der verstand auf seine Weise besonders gut, was eigentlich in mir steckte. Der Orgelbauer Jürgen Ahrend hat mich 1959 zusammen mit Gerhard Brunzema so wieder in meine ursprüngliche Ordnung gebracht, dass ich klingen kann wie damals, als ich noch jung war. Vier meiner Sieben Register stammen noch aus meiner frühen Zeit, also aus der Gotik, und so heißen sie: Praestant 8 Fuß, Gedackt 8 Fuß, Oktave 4 Fuß und Oktave 2 Fuß. Drei weitere Register mussten erneuert werden: Die Sesquialtera II, die Mixtur III – IV und die Trompete 8 Fuß. Die Registerbezeichnungen sind sehr alt, aber die Orgelbauer und die Organisten verstehen sie gut!"


Orgel Groothusen

"Ich bin die Orgel von Groothusen und habe einiges zu erzählen, zunächst von meiner Vorgängerin, die schon 1520 vom Orgelbauer Petrus von Emden gebaut worden war, aber 1794 als gänzlich unbrauchbar geworden beschrieben wurde. Es vergingen jedoch vier Jahre, bis der ostfriesische Orgelbauer Johann Friedrich Wenthin einen Plan vorlegte, wie er mich bauen wolle. Aus dem dafür angefertigten Kostenvoranschlag geht hervor, welche Materialien er verwenden wollte: astfreies greines Holz – das war nordisch geflößte Fichte, etwa ein halbes im salzigen Nordseewasser gelegen und deshalb besonders haltbar – für die Bälge, die weit genug aufgehen sollten, dass sie nicht schüttern und knarren könnten, innen mit heißem Leim getränkt und mit gutem Schafsleder beledert! Für Windladen und Tasten sollte es ,Wagenschott´ sein, bestes Eichenholz aus den Urwäldern Polens, für die Belegung der Tasten Ebenholz oder Elfenbein, die Pfeifen aus drei Teilen Blei und einem Teil Zinn, die hölzernen Pfeifen mit heißem Leim getränkt und mit Farbe gestrichen … Kurzum, Wenthin wollte mich besonders gut und haltbar bauen und lieblich und schön intonieren. Mein Trompetenregister wollte Wenthin so einrichten, dass es leicht gestimmt werden könne. Und noch etwas hat er sich für mich ausgedacht: einen einzigartigen und bis jetzt vollständig erhaltenen Chor von Mahagoni-Traversflöten, der ganz zart klingen kann. Darauf bin ich besonders stolz! Die Luft wird nicht in die Orgelpfeife geführt, sondern von außen angeblasen, so wie bei einer Querflöte. Einige meiner neunzehn Register tragen Namen, die bei meinem älteren Schwestern noch nicht vorkamen: Bordun, Fluit travers (das sind die Traversflöten, von denen ich erzählt habe), Nasat, Fagot, Wald Fruit, Cornet, vox angelica, vox humana. 1801 wurde ich der Gemeinde übergeben und die Auffassung meines Erbauers Wenthin, dass es sich bei mir um eine, allervorzüglichsten Landorgeln´ handele, fand viel Zustimmung. Aber dann kamen doch schwere Zeiten für mich. 1967 war es so schlecht um mich bestellt, dass ich viele Jahre nicht gespielt werden konnte. Erst 1987 erklinge ich wieder in der schönen alten Groothuser Kirche."


Orgel Manslagt

"Ich bin die Manslagter Orgel und auch ich hatte, wie einige andere Orgeln in der Krummhörn, eine Vorgängerin: Um 1500 soll sie eingebaut worden sein. Aber schon fünfzig Jahre später ließ der Pastor Poppius alles aus der Kirche herausreißen, was an die verabscheute papistische Zeit erinnerte, alle Bilder und die Orgel, und verbrannte alles öffentlich auf dem Kirchhof. Der Platz für die Orgel blieb dann lange leer, erst 1776 erhielt der Orgelbauer Hinrich Just Müller aus Wittmund – er hatte die Werksstatt von Johann Friedrich Constabel übernommen – den Zuschlag für den Bau einer Orgel in Manslagt. Auch andere Orgelbauer waren sehr interessiert gewesen, mich zu bauen, es kam zum Streit darüber. Dann ließen die Kirchenvorsteher das Königliche Konsistorium in Aurich doch wissen, man wolle den Plan von Müller verwirklichen. So kam es, für tausend Reichstaler in Gold wurde ich gebaut mit 14 Registern und einem Spieltisch mit Zwei Klaviaturen, den Manualen. Neun Register – Prinzipal, Quintadena, Viol di Gamba, Octava, Quinta, eine weitere kleinere Octava, Mixtur IV und Trompet – hat mir der Orgelbauer ins Hauptwerk eingebaut, fünf weitere Register – Gedact, Rohrflöt, Octava, Scharf III und Krumhorn – ins Brustwerk. Als ich 1778 fertig war, kam der Organist Büning aus Hage und prüfte die Arbeit des Orgelbauers, befand mich in allen Teilen für gut und lobte Hinrich Just Müller, weil er sogar besseres Holz als geplant für die Bälge verwendet hatte. Dass es der Gemeinde nicht leicht fiel, die Mittel für meinen Bau aufzubringen, zeigt ein kleines Gedicht: „Beschlossen ward dies Werk in kümmerlicher Zeit. / Und auch vollführt. Gott gab uns Muth und Einigkeit. / Lernt, Enkel, draus, fast nichts sei, wenn ihr wollt, zu schwer. / Mit Gott gewagt und klug gewirkt, so segnets Er.“ Der damalige Pastor Brückner verfasste es 1786 und es wurde auf meine Emporen Brüstung geschrieben. Im Jahre 2000 – da war ich immerhin schon 222 Jahre alt – hat mich der Orgelbauer Bartelt Immer grundlegend restauriert. Die meisten meiner Müller-Register sind erhalten, nur drei waren zu erneuern. Wie sich wohl Hinrich Just Müller wundern würde, dass ich nun wieder so schön klinge, wie er es sich damals ausgedacht hat!"


Orgel Jennelt

"Ich bin die Jennelter Orgel und meine Geschichte ist auch deshalb spannend, weil ich oft umgezogen bin! Zuallererst war ich in der reformierten Kirche in Bargebur zuhause, für diesen Kirchenraum hat mich der Orgelbauer Johann Friedrich Constabel geplant und gebaut. 1738 waren die Leute in Bargebur sehr zufrieden mit mir, weil nun auch in ihrer Kirche der Genfer Psalter mit Begleitung der Orgel gesungen werden konnte. Sogar die Kosten sind genau aufgeschrieben worden damals: 110 Reichstaler für die Orgel, Transport und Aufstellung der Orgel in der Kirche gingen extra. Aber ungefähr 80 Jahre später war ich, ihre Orgel, nach Auffassung der Gemeinde zu sehr abgenutzt, so hieß es. So wurde ich nach Hamswehrum in die Krummhörn verkauft. Dort stand ich bis 1967 in der um 1500 erbauten Marienkirche. Doch die Gemeinde ließ eine neue Kirche errichten, auch eine neue Orgel installieren.- Da griff die Kirchengemeinde Jennelt zu, kaufte mich und ließ mich durch den überaus erfahrenen Orgelbauer Jürgen Ahrend restaurieren. Das war der Glücksfall für mich und die Gemeinde. Seit 1969 stehe ich nun mit meinen Acht Registern mit den Bezeichnungen Praestant, Gedackt, Flöte, Quinte, Waldflöte, Sesquialtera, Mixtur und Trompete in der Jennelt Kirche. Es sind noch die Originalregister von Constabel bis auf Praestant, Sesquialtera und Trompete, die bei der Restaurierung zu ersetzen waren. Auch andere meiner Teile – so die Windlade und die Pedalklaviatur – sind noch im Original vorhanden. Weil ich zu ebener Erde stehe – in der Jennelter Kirche gibt es keine Empore mehr – kann man gut sehen, was in meinem Inneren alles passiert, damit die Töne erklingen. Johann Friedrich Constabel war zu seiner Zeit ein bekannter Orgelbauer in Ostfriesland, der besonders in den Jahren zwischen 1730 und 1760 rund ein Dutzend neue Orgeln baute und viele andere reparierte. Nur ich allein, die Jennelter Orgel, bin von all den Constabel-Orgeln vollständig erhalten geblieben. Heute wird mir und damit auch meinem Erbauer Constabel eine überregionale Bedeutung zugemessen; ich meine, dass ich damit den mir zukommenden Platz im Orgelland Krummhörn einnehme und ich bin sicher so denken auch diejenigen, die mich mit Freude spielen!"

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Orgel Pilsum

"Meint ihr nicht auch, dass ich, die Pilsumer Orgel, etwas ganz Besonderes bin? Ich muss ja richtig mächtig klingen, damit ich den großen Raum der Kreuzkirche füllen kann mit meinem Tönen. Es kam jemand von weither, aus dem Harz, Valentin Ulrich Grotian, der mich baute. Aber zunächst musste Grotian in Ostfriesland beweisen, dass er was verstand vom Orgelbauen, durfte erstmal nur reparieren und dann doch neue Orgeln bauen und wurden schließlich 1694 ausgewählt, mich in Pilsum als eine Barockorgel zu errichten! Sechzehn Register, verteilt auf das Hauptwerk und das Brust-positiv, im Hauptwerk Principal, Quintadena, Octav, Gemshorn, Nassat, eine zweitere kleinere Octav, Flachfloit, Sesquialter II, Mixtur IV – V und Trompete, im Brustpositiv dann Gedact, Gedactfloit, Super Octav, Quint, Schwarf II und Regal! Ob Valentin Grotain sich mit seinem Kollegen Joachim Kayser, Orgelbauer in Jever, mal unterhalten hat darüber, was für eine richtig gute Barockorgel wichtig sei, wie sie klingen müsse? Grotain wollte erreichen, dass mein Klang besonders farbig und strahlend sein sollte, und das ist mit ihm auch gelungen. Aber dann kamen auch für mich schwere Zeiten: Immer wieder andere Orgelbauer hat man beauftragt, mich zu reparieren, zu verändern, an mir zu arbeiten. Mancher tat das sicherlich mit mehr Eifer als Können und mir ging es nicht immer gut dabei. So an die 160 Jahre stand ich schon in der Kreuzkirche, als 1854 der Orgelbauer G. S. Jansen einen Kostenvoranschlag dafür machte, was alles an mir und mit mir zu machen sei. Zwei Engel sollten nun auch an meinem Prospekt an der Vorderseite angebracht werden. Was man 1854 schön fand, wurde knapp hundert Jahre später dann heftig kritisiert: Die Engel seien überhaupt unpassend für mich! Dann brauchte es nochmal einige Jahrzehnte – inzwischen hatte es bei den Fachleuten und auch in machen Kirchgemeinden ein Umdenken stattgefunden, was den Wert gerade der alten Orgeln anging – bis ich gründlich restauriert wurde. Es war der Orgelbauer Jürgen Ahrend, der mir Klang und Bild aus meiner Jugend zurückgab, 1991 gelang ihm das, wie schon bei anderen Krummhörner Orgeln und bei vielen Orgeln in Ostfriesland, aber auch weit darüber hinaus."


Orgel Uttum

" Ich bin die Orgel in der Uttumer Kirche; viele Leute meinen aus gutem Grund, dass ich zuerst in einer Kirche in einem der reichen Krummhörner Klöster gestanden hätte, vielleicht im Kloster Sielmönken? Niemand hat aufgeschrieben, was mit dem Klosterinventar passiert ist, als das Kloster aufgelöst wurde. Ob der mächtige Propst vom Uttum dafür gesorgt hat, dass ich in die Kirche seines Dorfes gebracht wurde? Aber egal ob ich nun zuerst im Kloster gespielt wurde oder ob mich vielleicht um 1550 die niederländischen Gebrüder Slegel bauten oder ob es noch ganz anders war, um 1660 kam ein Orgelbauer aus den Niederlanden nach Uttum; seinen Namen hat leider auch niemand aufgeschrieben. Er baute mich grundlegend um, nutzte dabei wohl meine alten Pfeifen, machte aber nun eine gänzlich andere Orgel aus mir, eine Renaissancen-Orgel in niederländischer Bauart. Meine schweren Bleipfeifen, die ich schon hatte, bevor ich umgebaut wurde, sind etwas Besonderes, das sagen die Orgelfachleute, die mich genau kennen und schätzen. Neun Register habe ich und besonders mein Trompetenregister wird viel gelobt, weil es so wunderbar klingt und weil es als eines der ältesten Trompeten-register auf der ganzen Welt gilt. Vielleicht hat der damalige Häuptling von Leer und Uttum, Jobst Moritz von Hane, meinem Umbau gestiftet. Sein Totenschild mit dem Wappen mit drei Hähnen hängt hier in der Kirche und auf dem mittleren der drei Orgeltürme ist ein Hahn zu sehen. Ob das damals die Art und Weise war, an der Stifter zu erinnern? 1804 wurde es ungemütlich für mich, ich wurde abgebaut und ausgelagert, weil die Kirche eine neue Decke bekommen musste; erst 1829 hat mich dann der Orgelbauer Johann Gottfried Rohlfs auf dem Orgelboden auf der Ostseite der Kirche wieder einbauen können. Meine Register sind Praestant, Quintadeenm Gedact, eine weitere kleinere Quintadeen, Octaaf, eine kleinere Octaaf, Sesquialera II, Mixtur III – IV und Trompete. Auch daran, wie die Register-bezeichnungen geschrieben sind, kann man erkennen, dass sie von einem niederländischen Orgelbauer stammen. Von 1956 bis 1957 haben mich die Orgelbauer Jürgen Ahrend und Gerhard Brunzema wieder so restauriert, dass ich klinge wie um 1660!"


Orgel Cirkwehrum

"Ich bin die Orgel aus Cirkwehrum und obwohl nun schon 140 Jahre alt, bin ich doch das jüngste der acht Instrumente in unserer Krummhörner Orgelstraße. 1879 wurde ich eingeweiht in der kleinen Kirche, die 1751 hoch auf der alten Warft gebaut worden war. Ich werde zu den romantischen Orgeln gezählt; deren Klang der Organist Winfried Dahlke so beschreibt: „Im Vordergrund stand das Ideal der „Vermischung“ – die sein.“ Die Orgel sollte wie ein Orchester klingen, es sollte keine Brüche im Klang mehr erkennbar sein.“ Entworfen und gebaut wurde ich von Arnold Rohlfs, der aus einer bekanntesten ostfriesischen Orgelbauerfamilie stammte. Sein Vater Johann Gottfried Rohlfs hatte das Orgelbauerhandwerk noch bei Hinrich Just Müller gelernt, der meine größere Schwester in Manslagt gebaut und die Werkstatt von Johann Friedrich Constabel in Wittmund übernommen hatte. Vom späten siebzehnten Jahrhundert bis zum späten 19. Jahrhundert sieht man also eine Reihe ostfriesischer Orgelbauer, die ihr Können und ihre Freude an den schönen Instrumenten buchstäblich vom einem zum anderen weitergaben. Sohn Arnold Rohlfs hat ganz am Ende seines Wirkens mich, die feine kleine Orgel mit dem eleganten Prospekt, in Cirkwehrum gebaut. Auch der Sohn von Arnold Rohlfs setzte die Familientradition des Orgelbaus fort, die aber dann mit ihm zu Ende ging. Acht Register habe ich aufzuweisen, die von zwei Manualen gespielt werden; im ersten Manual eine Flöte, eine Gambe und eine weitere kleinere Flöte. Die drei Flötenregister tragen viel dazu bei, dass man mich mit so einem frischen und klaren Klang spielen kann. So sehr die Gemeinde in Cirkwehrum mich auch schätzte, sie konnte nicht daran ändern, dass gegen Ende des Ersten Weltkriegs meine schönen Zinnpfeifen im Prospekt, in meiner Schauseite also, 1917 abgegeben werden mussten und für Kriegszwecke eingeschmolzen wurden. Damit es nicht so kahl aussah, hat ein Maler eine Attrappe mit aufgemalten Pfeifen hergestellt, die so lange im Prospekt zu sehen waren, bis mich 2013 der Orgelbauer Harm Dieder Kirschner aus Stapelmoor restaurierte und die verlorenen Pfeifen ersetzte."


Orgel Westerhusen

"Ich bin die Orgel in Westerhusen und mir ging es so wie meiner Nachbarin in der Uttumer Kirche: Um 1500 wurde ich als gotische Orgel errichtet, aber knapp einhundertfünfzig Jahre später wollte die Gemeinde in Westerhusen ihre Orgel verändern lassen. Es sollte jetzt in der Kirche mit Orgelbegleitung gesungen werden! Der reformierten Gemeinde waren die Psalmen wichtig und das wurde wie ein Programm auf meinem Prospekt geschrieben: Lovet den Heren mit Seiden und Orgeln, übersetzt: Lobet den Herrn mit Saiten und Orgeln, Psalm 98. Mit Saiten ist eine Harfe gemeint. Weil die Orgel verändert werden sollte, bestellte die Gemeinde 1642 den Orgelbauer Jost Sieburg aus Bremen. Der Auftrag in Wester-husen war praktisch ein Neubau, auch wenn Sieburg so weit wie möglich vorhandene Pfeifen und anderes Material verwenden konnte. Stutzig machen kann die Bauzeit: 1642/43! Am 16. November hat er angefangen und am 24. März 1643 war die Arbeit fertig. Alleine hat er das wohl nicht schaffen können, aber Orgelbauer brachten oft tüchtige Gesellen mit, die ihnen halfen. Was sich heute so selbstverständlich anhört – Auftrag erteilen, Orgel umbauen, die Arbeit bezahlen und alles ist gut. das war es damals überhaupt nicht. In Deutschland war schon seit 1618 Krieg, der das ganze Land überzog. Oft litten die Menschen in der Städten und Dörfern unter Plünderungen und Mord und Totschlag. Auch wenn es in der Krummhörn wohl nicht so schlimm wie in manch anderen Gegenden Deutschlands war, man konnte nie sicher sein, wann wieder Soldaten kamen. In der Gemeinde wurden 220 Reichstaler für meinen Umbau aufgebracht; so konnte Jost Sieburg für seine Arbeit bezahlt werden. Eine Menge Geld – so viel war den Menschen ihre neue Orgel wert. Meine sieben Register heißen Prinzipal, Gedackt, Quintadena, Octave, Quinte, Mixtur IV und Trompete. Mein Trompetenregister ist ebenso berühmt und alt wie das meiner Nachbarorgel in Uttum. Restauriert haben mich auch Jürgen Ahrend und Gerhard Brunzema 1959 und die Orgelfachleute sagen, es sei etwas fast Einmaliges, dass meine Pfeifen über so lange Zeit – seit 1642! – so gut wie überhaupt nicht verändert wurden."