
Komm ins Land der Häuptlinge!
Häuptlinge – die gab es nicht nur in fernen Ländern. Auch die Friesen des 14.-16. Jahrhunderts kannten diese Herrschaftsform. Die Häuptlinge kamen aus angesehenen und begüterten Familien und übten eine Schutz- und Gerichtsherrschaft über ihre Gemeinde aus. Zeichen und Zentrum ihrer Macht war ein aus Stein gebautes Haus als Häuptlingsburg. Einige der Häuptlinge vermochten ihren Einflussbereich weit über die ursprüngliche Herrlichkeit hinaus auszudehnen und die Häuptlingswürde ihren Kindern zu vererben.
Die Manningaburg in Pewsum
Im Ortszentrum von Pewsum erstrahlt die überwiegend gelb getünchte winzige Wasserburg aus dem 15. Jhr. Erbaut durch die Häuptlingsfamilie Manninga im Jahre 1458, wechselte sie bereits 1565 den Besitzer: Graf Edzard II Cirksena kauft die Herrlichkeit Hoyko Manninga ab.
Unter den Cirksenas wurde die Burg zu einem Steinhaus im Stil der niederländischen Renaissance umgebaut.
Die Burg ist für die Öffentlichkeit zugänglich und beherbergt in ihrem Inneren ein kleines Museum über die Häuptlingszeit sowie Modelle und Reste der Ornamente der ehemaligen Schlossanlage.
Öffnungszeiten: Mai bis Oktober
Dienstag + Donnerstag: 10.00 - 12.30 Uhr u. 15.00 - 17.00 Uhr
Samstag + Sonntag: 15.00 - 17.00 Uhr
Führungen nach telef. Vereinbarung möglich unter (04923) 1828 und 1483.
Eine Wasserburg aus dem 15. Jahrhundert
Im Herzen von Pewsum liegt eine kleine malerische Wasserburg. Eine "prächtig gebaute Burg" - so beschreibt man sie dagegen im 16. Jahrhundert. Dort, wo Sie heute Ihr Auto abstellen oder in den Bus einsteigen können, lag damals die mächtige Oberburg der Häuptlingsfamilie Manninga.
Hoyko Manninga, der große Verschwender
Es heißt, "es sey immer ein Kessel mit heißem gezuckerten Wein zu Pewsum parat und auf dem Feuer gewest, woraus er sowohl, als seine Frau, auch vielmahls das in großer Zahl vorhandene Gesinde täglich eine Hertzstärkung genommen und sich damit erquickt”. Die Rede ist von Hoyko Manninga. Er ging mit dem wenig rühmlichen Beinamen “der Verschwender” in die ostfriesische Geschichte ein, der “Zeit seines Lebens wohl drey Tonnen Gold durchgebracht” habe. Als einer der reichsten Häuptlinge des Landes trat er 1540 seine Erbschaft an. Er nannte nicht nur die Burg und die Herrlichkeit Pewsum mit Woquard sein eigen, sondern auch die selbstständige Herrlichkeit Jennelt sowie vom mütterlichen Erbteil die niederländische Herrschaft Warffum mit ihrer stattlichen Burg und weitere Besitzungen im Groningerland. Darüber hinaus war ihm aber auch ein großer Schuldenberg hinterlassen worden. So musste er schon bald die Herrlichkeit Jennelt veräußern, im Jahr 1560 auch Warffum. Nichtsdestotrotz ließ er seine Burg auf das prächtigste ausbauen. Seine andauernden Geldprobleme führten schließlich zum äußersten. Er musste 1565 die Burg und die Herrlichkeit an seinen größten Gläubiger verkaufen: an seinen Landesherrn Graf Edzard II. von Ostfriesland.
Hoykos Ahnen
Im Jahr 1404 erscheint erstmals ein Pewsumer Häuptling, "Dedeke to Pewesum", in den Urkunden. Die Manninga hatten offenbar gute Kontakte zur Greetsieler Häuptlingsfamilie Cirksena. Dedeke war mit ihnen gemeinsam in einem Bund ostfriesischer Häuptlinge. Lütet II. Manninga, der um 1430 Häuptling wurde, zog mit den Cirksena gegen Focko Ukena und war außerdem durch seine Ehefrau mit ihnen verbunden. Die Herrschaft über Jennelt wurde von den Cirksena an die Manninga übergeben.
1458 errichtete Poppo Manninga die Pewsumer Burg neu. Gut hundert Jahre später ging dieser alte Familiensitz verloren - an die Cirksena.
Ein Wohnsitz der Cirksena
War auch Edzard II. der Käufer der Burg, so war die eigentliche Besitzerin seine Gemahlin Katharina, aus deren Mitgift die Kaufsumme beglichen wurde. Die schwedische Königstochter sorgte in der Herrlichkeit Pewsum nicht nur für die Einführung des lutherischen Glaubens, sondern auch für eine rege Bautätigkeit an ihrer Burg. Oft weilten sie und der Graf in Pewsum. Nach ihrem Tod diente die alte Manningaburg dem ostfriesischen Grafen- und Fürstenhaus als Sommer- und Witwensitz.
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts machten sich erhebliche Verfallserscheinungen an der Burg bemerkbar. Das in Schulden geratene Fürstenhaus konnte die Mittel zur Instandsetzung nicht mehr aufbringen. So begann man mit dem Abbruch der Oberburg. Steinerne Zeugen diesen Bauwerks finden Sie im Inneren der früheren Unterburg, heute das Pewsumer Burgmuseum.
Die Greetsieler Burg
Kaum zu glauben, aber wahr: Auch in Greetsiel, wo jetzt das Hafenbild mit den Krabbenfischern das Bild prägt, stand einmal eine mächtige Burg. Wie in fast jedem Dorf der Krummhörn gab es auch hier eine lokale Häuptlingsherrschaft. In Greetsiel herrschten die Cirksena. Es war jene Familie, die nicht nur ihre Herrschaft über Greetsiel hinaus ausdehnen konnte, sondern der in der Mitte des 15. Jahrhunderts sogar der Aufstieg zum Grafengeschlecht gelang. Damit war Ostfriesland als Herrschaftsgebiet geboren.
Von Appingen nach Greetsiel
Die Cirksena waren Häuptlinge seit dem 14. Jahrhundert und hatten ihren Sitz ursprünglich im 2 km südlich gelegenen Appingen. Als durch Verlandung Appingen den Zugang zum offenen Meer verlor, den die Cirksena für ihre Machtentfaltung brauchten, wirkten sie federführend bei der Anlage einer neuen Siedlung mit. Die meisten Einwohner von Appingen werden vermutlich ihrem Häuptling, jetzt dem Häuptling von Greetsiel, in den neuen Ort mit Zukunft gefolgt sein. 1401 erhielt das “Siel in der Greede” (Groden = neues, angewachsenes Land) eine geweihte Kirche, von Haro Cirksena gestiftet und unter dem Patronat der Häuptlingsfamilie. Noch heute weisen zwei Wappen, anlässlich der Hochzeit Katharinas von Schweden mit Edzard II. im Jahr 1559 angebracht, auf eine enge Verbindung des Häuptlings- und Grafengeschlechtes mit der Greetsieler Kirche hin.
Die Burg
Eine erste Burg wurde schon im 14. Jahrhundert in Form eines Steinhauses gebaut. An der gleichen Stelle, die jetzt von den Straßen “Am Markt” und “Schatthauser Weg” begrenzt wird, errichtete Ulrich Cirksena Mitte des 15. Jahrhunderts eine Vierflügelanlage mit Wehrturm. Sie stand also in unmittelbarer Nähe der heute gut 600 Jahre alten Hafenanlage: entlang der Häuserzeile am Markt befand sich der Burggraben . Ein Modell des großen Herrschaftssitzes ist im Museum der Manningaburg in Pewsum zu bewundern. Auch nach Verlegung der Regierungsgeschäfte – zunächst nach Emden, dann nach Aurich – blieb die Burg in Greetsiel bis 1744 bestehen, wenn auch nur wenig genutzt. Nachdem das ostfriesische Grafengeschlecht im Jahr 1744 erloschen war, nutzte die nachfolgende preußische Regierung die Burg zunächst als Zuchthaus (1755), um sie dann aber auf Abbruch zu verkaufen (ab 1777). Die Instandsetzung bzw. Erhaltung der Burgen der Cirksena, die ohnehin einen hohen Schuldenberg hinterlassen hatten, war zu kostspielig. Ein Teil der Steine finden sich wohl in den älteren Bauwerken Greetsiels wieder.
Spuren der Burg
Das Schatthaus ist heute das einzige Gebäude, das von der Anlage erhalten ist. Der Begriff “Schatthaus” bezeichnet dabei den landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereich einer Burg. Spuren der Burg sind darüber hinaus noch in den Straßennamen “Herrenhof” und “De Gaar” vorhanden. Dieser zeigt die Lage des ehemaligen Herren- oder Küchengartens an. Und schauen Sie einmal vom Schatthauser Weg auf das Gelände Richtung Mühlenstraße: Hier ist eine leichte Abschüssigkeit zu erkennen. Die Versackungen des zugeschütteten Burggrabens?
Gebäude aus der Fürstenzeit
Auf die Zeit der Grafen und Fürsten aus dem Hause Cirksena weisen darüber hinaus noch weitere Greetsieler Bauwerke hin, die ehemals als Verwaltungsgebäude der Burg zugeordnet waren: Das Hohe Haus war um 1700 das Rentmeisterhaus, also das “Finanzamt” von Greetsiel. Bis 1744 befand sich das Richthaus im Gebäude des heutigen Restaurants “Zur Börse”. Und schließlich gehört das Amtshaus zum Ensemble, das erstmalig 1704 erwähnt wird.
Die Cirksena in Aurich
Nachdem die Greetsieler Häuptlingsfamilie Cirksena die Vorherrschaft in Ostfriesland erlangt hatte, errichtete sie auch in Aurich eine Burg. 1561 verlegten die Cirksena, jetzt als Grafen, ihre Hauptresidenz hierher. Der Charakter einer Residenzstadt prägt Aurich bis heute. Eindrucksvoll ist besonders der Marstall der alten Schlossanlage.
Spüren Sie den Charme der Residenzstadt?
Immer unterhielten die Cirksena auch einen Sitz in Aurich. Ihre Hauptresidenz befand sich jedoch zunächst in Emden. Erst 1561 verlegte Edzard II. Cirksena die Residenz nach Aurich. Gründe liegen vermutlich in dem erstarkenden Selbstbewusstsein der Emder Bürger, die gegen die gräfliche Herrschaft aufbegehrten, vielleicht auch in dem schwelenden Zwist mit seinem Bruder und Mitregenten Johann. Zum dritten bot Aurich einen zentralen Standort im Herrschaftsgebiet. Mit der Verlegung der Residenz begann Aurichs Aufschwung als Residenzstadt, nachdem es bereits zuvor eine gewisse Bedeutung als Handelsplatz gewonnen hatte. Noch heute sind diese gewachsenen Strukturen einer herrschaftlichen Verwaltungsstadt in den Straßen und Gebäuden nachzuvollziehen.
Die Auricher Burg
Die erste Häuptlingsburg in Aurich wurde um 1380 von der Familie tom Brok erbaut. Sie stand wahrscheinlich an der Stelle des heutigen Piqueurhofes stand. Um 1430 wurde sie im Ringen um die Vorherrschaft in Ostfriesland zerstört. Gegenüber diesem Platz errichtete Ulrich Cirksena 1448 eine Wasserburg, genannt Averborg (“gegenüber der Burg”). Die wehrhafte Vierflügelanlage fiel im Jahr 1568 den Flammen zum Opfer. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde daher eine neue, ebenfalls vierflügelige Burganlage erbaut. Die Umbauten 1731/32 unter Georg Albrecht Cirksena veränderten das Auricher Schloss noch einmal grundlegend. Diesen Zustand der Anlage zeigt das große Modell im Historischen Museum Aurich. 1852 wurde das Cirksena-Schloss durch einen neuen Bau ersetzt. Er diente allerdings nicht mehr Wohn- und Repräsentationszwecken, sondern der Verwaltung der hannoverschen Regierung als Sitz. Von der früheren Schlossanlage sind heute nur noch wenige Reste der Gräben und des Walls erhalten. Die Torpfeiler des Schlossparks (Julianenburg) zieren jetzt das Ende der Burgstraße. Vor allem jedoch zeugt noch der Marstall Georg Albrechts vom alten Cirksena-Schloss. Hier waren einst die fürstlichen Pferde und die “Neue Kanzlei” untergebracht.
Die Alte Kanzlei
Die “Alte Kanzlei” ließ Graf Enno II. Cirksena um 1530 erbauen. Sie diente zunächst seinem Bruder Johann als Stadthaus und wurde später den Auricher Bürgern als Rat- und Weinhaus zur Verfügung gestellt. Im 17. Jahrhundert schließlich wurde das Gebäude als gräfliche Kanzlei genutzt. Nach 1732 diente das Gebäude Beamtenfamilien als Wohnung, bevor es Sitz des Landratsamtes wurde. Seit 1985 ist in dem herrschaftlichen Haus das Historische Museum Aurich untergebracht. Eines der beeindruckendsten Ausstellungsstücke ist das barocke Manteaukleid der Eberhardine Sophie, Gemahlin des Christian Eberhard Cirksena. Sie starb im Jahr 1700 mit nur 34 Jahren an den Folgen ihrer 14. Schwangerschaft und wurde in diesem Kleid bestattet. Bei der Restaurierung der Särge im Mausoleum (um 1990) wurde das herrschaftliche Kleidungsstück geborgen.
Das Mausoleum
Das Mausoleum wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet, um “der Pietät gegen das alte fürstlich-ostfriesische Geschlecht der Cirksena” zu entsprechen. Von den Särgen in der Gruft der Auricher Lambertikirche waren nur elf erhalten. Für das neue Mausoleum wurden daher neun neue Särge hergestellt, davon zwei große “Sammelsärge” für nicht eindeutig identifizierbare Knochen. Die ursprüngliche Grablege der Familie Cirksena, das Kloster Marienthal in Norden, wurde 1531 durch Balthasar von Esens zerstört. Die Gebeine überführte man in die Große Kirche in Emden, wo sie bis 1591 bestattet wurden. Ihre Überreste, die nach dem zweiten Weltkrieg aus der zerstörten Kirche geborgenen wurden, finden sich im Mausoleum in der “Emder Truhe”.
Einen Schlüssel und Informationen zu Führungen etc. erhalten Sie im beim Verkehrsverein Aurich (Norderstr. 32).
Ausflugsziele auf dem Weg nach Aurich
Störtebeker in Marienhafe
Einst konnte Marienhafe über den Seeweg durch die Leybucht erreicht werden. Ein idealer Unterschlupf für den berühmten Freibeuter Störtebeker und seine Mannen! An ihn erinnert ein bronzenes Denkmal auf dem Marktplatz. Die Häuptlingsfamilie tom Brok bot ihm Zuflucht im Turm der St.-Marien-Kirche. Die "Störtebekerkammer", die heute ein kleines Kirchenmuseum beherbergt, können Sie von April bis September besichtigen. Öffnungszeiten: montags-freitags 10-12 Uhr und 14-17 Uhr, sonn- und feiertags 14-17 Uhr.
Die Ulferts Börg
Die Ulferts Börg ist aus einem Häuptlingssitz hervorgegangen und befindet sich in Upgant-Schott (Osterupganter Str. 6). Das heutige Kerngebäude ist aus einem um 1400 erbauten Turmhaus entstanden. Kurz nach 1700 wurde ein Wirtschaftsteil in Gulfkonstruktion angefügt. Die Ulferts Börg können Sie jederzeit von außen besichtigen.
Die Schlacht auf den Wilden Äckern
Südlich von Marienhafe, zwischen Upgant und Neu-Siegelsum finden sich die "Wilden Äcker". Hier fand 1427 die Entscheidungsschlacht zwischen Okko II. tom Brook und Focko Ukena von Leer um die Vorherrschaft in Ostfriesland statt. Heute ist dieses Ereignis nur noch durch einen Gedenkstein dokumentiert. Und nachts soll es hier noch spuken!
Die Klosterstätte in Ihlow
Vor der Reformation befand sich in Ihlow ein bedeutendes Zisterzienserkloster. Bei Grabungen an der Klosterkirche im Ihlower Forst wurde vermutlich die Grablege der tom Brook gefunden. Das Gelände sowie die kleine Ausstellung im Forsthauscafé können sonntags, 14-18 Uhr besichtigt werden. Eine offene Führung wird um 15.30 Uhr angeboten.
Der Upstalsboom
Am Upstalsboom in Rahe bei Aurich trafen sich im hohen Mittelalter die Vertreter der Sieben Seelande am Dienstag nach Pfingsten, um sich über Recht, Freiheit, Frieden und Schutz zu beraten und zu einigen. Aus ihren Familien rekrutierten sich später die Häuptlinge. Heute ist an dem frei zugänglichen Platz ein Denkmal aus dem 19. Jahrhundert mit erläuternden Schautafeln zu besichtigen.
http://www.aurich.de/index.php?id=25
Öffnungszeiten der Osterburg in Groothusen
Die Osterburg im Warfendorf Groothusen ist eine alte ostfriesische Häuptlingsburg u.a. mit einer umfangreichen Gemäldesammlung.
Diese Burg wird noch heute bewohnt von Familie Kempe.
Besichtigungen sind nur möglich nach Terminabsprache mit Familie Kempe unter der Telefonnummer: 04923/1270
Hier: weitere Infos zu Museen und Sammlungen



